Sturmvogel

1924

Der Verein für Luftschiffahrt in Steiermark, 1924 umgewandelt zur Akademischen Fliegergruppe Graz, hatte mit seinen beiden Hängegleitern an der Ersten österreichischen Segelflug-Woche am Waschberg bei Wien teilgenommen und einen Trostpreis in der Höhe von 7,5 Millionen Kronen erhalten.
Mit diesem Geld war der kleinen ambitionierten Gruppe die Möglichkeit gegeben, ihre Gleiter umzubauen und neue in Angriff zu nehmen. Darunter war der freitragende Eindecker, der von Flödl und Ing. Spies von der Akaflieg Graz gebaut wurde.
Nach der Fertigstellung im Sommer 1924 wurde die Maschine gemeinsam mit den Segelflugzeugen „Vandale“ und „Maulwurf II“ vom 31. August bis zum 8. September im Grazer Landhaushof ausgestellt.
Danach zog die Gruppe gemeinsam mit den vier vorhandenen Segelflugzeugen (Vandale, Sturmvogel, Maulwurf Il und Kauz) auf die Teichalpe und errichtete hier ein Fliegerlager in 1100 m Seehöhe. Während die anderen Flugzeuge auf der Teichalpe oft geflogen wurden, trat die „Sturmvogel“ fast gar nicht in Erscheinung. Ihre Erbauer konnten noch nicht gut fliegen und wollten deswegen keinen Bruch riskieren.
Im August 1925 stellte die ASG ihre Maschinen im Landhaushof ein zweites Mal der Öffentlichkeit vor: neben der „Sturmvogel“ und der „Vandale“ gab es zwei neue Gleiter, einen freitragenden Hochdecker mit Spaltflügeln, „Graz“ genannt, den neuen Schuldoppeldecker „Benjamin“, der aus den Überresten des früheren „Kauz“ entstanden war und natürlich die „Mautwurf ll‘, auf der fast alle Kameraden das Fliegen gelernt hatten.

1926 wurde die „Sturmvogel“ hauptsächlich von den Hängen bei Thal aus zur Schulung eingesetzt. Geplant war auch der Einbau eines 640 cm3 Rotationsmotors, um bei Flaute länger in der Luft bleiben zu können.

Sturmvogel
Sturmvogel auf der Teichalpe 1924

Baubeschreibung:
Die „Sturmvogel“ war ein freitragender Eindecker von 15 m Spannweite, dessen Tragfläche dreiteilig ausgeführt war. Das Mittelstück war gegen den Rumpf leicht abgestrebt, Flügeldicke und Flügeltiefe nahmen zum Ende hin ab, die Tiefe betrug im Mittel 1,1 m. Der vordere Teil des einholmigen Flügels war als torsionsfeste Röhre ausgebildet,
Profil: Göttingen 482.
Der spindelförmige Rumpf war zur Gänze mit Sperrholz beplankt und besaß eine mit zwei Gummipuffern abgefederte Kufe. Das Flugzeug hatte eine normale Knüppelsteuerung. Das ungedämpfte, teilweise entlastete vollflächig drehbare Höhensteuer war durch eine Stoßstange betätigt, das ebenfalls ungedämpfte und vollflächig drehbare Seitensteuer durch Seilzug. Das Höhenruder hatte eine Fläche von 2,1 m2 und maß 3,0 x 0,7 m, das Seitenruder 0,74 m2 und war 1,1 x 0,65 m groß. Die Querruder maßen 3,0 x 0,3 m. Die Gesamtlänge betrug 5,5 m, das Gewicht des Apparates 110 kg.

Auf ein leichtes und schnelles Auseinandernehmen bzw. Zusammenbauen wurde besondere Rücksicht genommen.

Sturmvogel-3s
Dreiseitenriß von Dipl.-Ing. R. Keimel, Technisches Museum Wien
  • Spannweite     15 m
  • Länge     5.5 m
  • Flügelfläche     17 m2
  • Gewicht     110 kg
  • Flächenbelastung     11.5 kg/m2

Text: Dipl.-Ing. Reinhard Keimel, Technisches Museum Wien
Literaturhinweise: „Sturmvogel“, in: Österr. Motor-Der Flug 1924, Heft 9, S.41. „Sturmvogel“, in: Flugsport 1924, Heft 24, S. 428ff. Zoffmann H. und Lanz H., Die Geschichte der Akaflieg Graz, zum 50-jährigen Bestehen am 14. Oktober 1971, 1921-1937 und 1938-1945, in: Mitteilungen des Verbandes der akademischen Fliegergruppen Österreichs (Vera-flieg) Heft 3, Graz 1971. Archiv Dipl.-Ing. A. Oswald und Archiv Akaflieg Graz.