VL1 Maulwurf II

1924

Im Oktober 1923 konnten die Grazer Flieger zum Ersten österreichischen Segelflugwettbewerb auf dem Waschberg bei Wien (13.-21. Oktober 1923) neben dem „Maulwurf“ noch einen zweiten Hängegleiter, „Kef“ genannt, mitbringen. Hier gewann die Gruppe einen Anerkennungspreis in der Höhe von 7,5 Millionen Kronen, der „Maulwurf“ war aber nicht ausgepackt worden.
Zurückgekehrt, übernahm cand. ing. Konrad Fernthaler die Leitung der Gruppe, es entstand nun die Akademische Segelfliegergruppe Graz. Durch Vermittlung von Professor Dr. W. Heyn und Prof. Dr. K. Federhofer erhielt die Gruppe Räume an der Technischen Hochschule Graz.

Nun konnte an weitere Bauten geschritten werden. Der Hängegleiter „Maulwurf“ wurde nach dem Vorbild des deutschen Typs „Hol’s der Teufel“ zu einem Sitzgleiter umgebaut und damit in der Nähe von Graz eifrig geschult.
Der veränderte Apparat war nun ein Hochdecker von zunächst 8 m Spannweite, 12 m2 Tragfläche, 5,20 m Länge und hatte einen Gitterrumpf mit Sitz und abgefederter Mittelkufe. Vom „Maulwurf l“ fanden nur die Flächen Verwendung, die angestückelt wurden. Die Steuerung war normal ausgelegt: ein Fußhebel diente der Seitensteuerung, ein Knüppel für Höhenruder und Verwindungsklappen.
Den ersten Flug mit dem „Maulwurf ll“ unternahm Pernthaler am 14. April 1924, dabei gelang ihm auf der Platte ein Flug von 500 m Länge.
Durch diese Tätigkeiten und einer Ausstellung mit den neuesten Flugzeugen der Gruppe im Grazer Landhaushof (31. August – 8. September 1924) wurde auch die Öffentlichkeit auf die Grazer Segelflieger aufmerksam. Die Ausstellung besuchte sogar der Bundespräsident von Österreich, Dr. Michael Hainisch, und der Landeshauptmann der Steiermark, Dr. Rintelen.

Bundespraesident
Bundespräsident Dr. Hainisch bei der Besichtigung der Flugzeuge

Ab 19. September 1924 war die Akaflieg mit all ihren Flugzeugen bereit auf die Teichalpe zu ziehen, um dort ihr erstes Fliegerlager zu errichten. Mit dabei waren die Flugzeuge „Maulwurf lI“, der Doppeldecker „Kauz“, und die Rumpfsegelflugzeuge „Vandale“ und „Sturmvogel“.
Die Flugversuche begannen hier am Sonntag den 28. September mit dem „Maulwurf II“, wobei wieder mehrere Brüche repariert werden mußten.
Pernthaler berichtete von seinem Flug am 1.Oktober 1924 mit dem „Maulwurf II“: „… leider ist das Terrain voller Löcher und Zäune … Obwohl dichter Nebel über dem Teichalpenhochkessel jagte, versuchte ich, während es für kurze Zeit aufriß, einen Start auf Maulwurf II. Die Maschine hob sich gut ab, gewann dann sehr an Höhe, wurde jedoch plötzlich durch eine Fallböe hinuntergerissen, konnte sich aber noch fangen, flog gegen einen Wald, beschrieb eine zu scharfe Linkskurve und schmierte über den Flügel ab. Ende Kleinholz und viel Arbeit. Nachdem die Schulmaschinen wieder in Ordnung gebracht waren, herrschte wieder reger Schulbetrieb. Als wir uns einige Kenntnisse im Fliegen angeeignet hatten (wir waren alle keine Feldpiloten), wurde der erste Probeflug mit dem freitragenden Eindecker „Vandale“ von mir ausgeführt, der unseren Erwartungen entsprach.“
Insgesamt hatte der „Maulwurf II“ zweimal ein ganz neues Rumpfgestell erhalten und die Tragfläche wurde später auf 10,00 m Spannweite und 14 m2 Tragfläche vergrößert.
Zuletzt trat der Schulgleiter noch im August 1925 in Erscheinung, als die ASG abermals ihre Flugzeuge im Grazer Landhaushof zur Schau stellte. Auf dem „Maulwurf“ hatten fast alle Mitglieder ihre ersten Flugversuche unternommen.
Mit dem Bau neuerer Gleitapparate konnte schließlich die alte Konstruktion mit ungünstigem Flächenprofil ersetzt werden.

Maulwurf_II
Sitzgleiter Maulwurf II
Maulwurf2-3s
Dreiseitenriß von Dipl.-Ing. R. Keimel, Technisches Museum Wien
  • Spannweite     10 m
  • Länge     5.2 m
  • Flügelfläche     14 m2
  • Gewicht     40 kg
  • Flächenbelastung     7.71 kg/m2Maulwurf_IIa

Maulwurf_IIb

Text: Dipl.-Ing. Reinhard Keimel, Technisches Museum Wien
Literaturhinweise: Flugsport 1924, Heft 8, S.153. Pernthaler, K., Akademische Segelfliegergruppe der Technischen Hochschule Graz, in: Flugsport 1924, Heft 22, S.428ff. Zoffmann, H., Der Grazer Gleitapparat vollendet!, in: Österr. Motor – Der Flug 1923, Heft 3, S.31, Zoffmann, H., ‚Kef‘ und ‚Maulwurf‘, in: Österr. Motor – Der Flug 1924, Heft 3, S.67. Zoffmann H. und Lanz H., Die Geschichte der Akaflieg Graz, zum 50-jährigen Bestehen am 14. Oktober 1971, 1921-1937 und 1938-1945, in: Mitteilungen des Verbandes der akademischen Fliegergruppen Österreichs (Veraflieg) Heft 3, Graz 1971. Archiv Dipl.-Ing. A. Oswald und Archiv Akaflieg Graz.