VL3 Kauz

1924

Als die Akademische Segelfliegergruppe Graz Ende September 1924 auf der Teichalpe ein Fliegerlager bezog, war der Schuldoppeldecker „Kauz“ noch nicht ganz fertig und mußte noch bespannt werden. Mit dabei waren die Rumpfsegelflugzeuge „Vandale“ und „Sturmvogel“ und der Schulgleiter „Maulwurf II“.

Kauz2Die „Kauz“ war eine Eigenkonstruktion der Akaflieg Graz, gebaut von Kogler und cand. ing. Hanns Zoffmann, später dann auch Mithilfe von cand. ing. Hanns Haring und Dipl.-lng. Alfred Oswald.
Der mit Sperrholz verkleidete Rumpf hatte einen rechteckigen Querschnitt, vorne eine halbzylindrische Abrundung und war 4,00 m lang, der Pilot saß zwischen den beiden flachprofilierten zweiholmigen Tragflächen mit 6,00 m Spannweite und 13,8 m2 Fläche, die obere trug die Querruder und ein Strebenbock fixierte die Lage. Die unteren Tragflächen waren etwa in der Rumpfmitte angeschlossen und zu den oberen Flächen durch parallele Stiele mit Seilauskreuzung auf Distanz gehalten. Die Flächennasen waren aus Sperrholz, der Flügel sonst mit Stoff bespannt. Flächentiefe 1,20 m, Profil Nr. 388. Unter dem Rumpf gab es eine kräftige gefederte Kufe; am Heck, das eine horizontale Schneide bildete, gab es einen Schleifsporn. Der Apparat hatte normale Knüppelsteuerung mit Seilzügen. Höhen- und Seitensteuer waren gedämpft, letzteres war teilweise entlastet. Leergewicht rd. 30 kg.
Baubeginn war im Frühjahr 1924, doch zogen sich die Arbeiten hin, so daß der Flugapparat noch unbespannt Ende September 1924 auf das Fliegerlager Teichalpe (im Nordosten von Graz im Mürztal) mitgenommen und dort fertiggestellt wurde.
Das kleine Anwesen des Angerwirtes war Mittelpunkt des Lagers. Ein kleiner Schuppen war als Werkstätte eingerichtet, in dem der mit „Kauz“ bezeichnete Schuldoppeldecker von Kogler und Zoffmann vollendet wurde.
Nach der Fertigstellung wurde er am 9. Oktober 1924 mit den Piloten Kogler seiner Lufttaufe unterzogen und im praktischen Schulbetreib getestet und nach wenigen kurzen Flügen von Kogler und Haring zu „Kleinholz“ verarbeitet. Das gehörte damals zum echten Fliegen – wie keine Gendarmerie oder Polizei, die den Flugbetrieb behinderte.

Kauz-3s
Dreiseitenriß von Dipl.-Ing. R. Keimel, Technisches Museum Wien
  • Spannweite     6 m
  • Länge     4 m
  • Flügelfläche     13.8 m2
  • Gewicht     30 kg
  • Flächenbelastung     7.24 kg/m2
KauzimFlug
Kauz im Fluge
Kauz1
Schuldoppeldecker Kauz
KauzRueckenlandung
„Rückenlandung“ mit Kauz

Text: Dipl.-Ing. Reinhard Keimel, Technisches Museum Wien
Literaturhinweis: Die Segelflüge auf der Teichalpe, in: Grazer Tagespost vom 10.10.1924. VL 3, in: Österr. Motor-Der Flug 1924, Heft 9, S.41. Kautz, in: Flugsport 1924, Heft 22, S.428ff. Zoffmann H. und Lanz H., Die Geschichte der Akaflieg Graz, zum 50-jährigen Bestehen am 14. Oktober 1971, 1921-1937 und 1938-1945, In: Mitteilungen des Verbandes der akademischen Fliegergruppen Österreichs (Veraflieg) Heft 3, Graz 1971. Archiv Dipl.-Ing. A. Oswald und Archiv Akaflieg Graz.