Graz

1926/29

Die „Graz“ war ein freitragender Hochdecker mit Spaltflügeln. Die Konstruktion stammte von cand. ing. Hanns Haring aus dem Jahre 1926.
Der Rumpf war tropfenförmig ausgebildet und von rechteckigem Querschnitt, die beiden Tragflächenteile an einem Mittelstück, das als Baldachin ausgebildet war, angeschlossen und durch je ein Paar Streben zu den Rumpfunterkanten abgestützt. Die zweiholmige Tragfläche hatte entlang der gesamten Hinterkante ein Querruder, das einen Spaltflügeleffekt hatte. Das Leitwerk war normal ausgebildet.
Das Fliegen mit diesem Apparat erforderte aber einiges Geschick und war so für die meisten des Fliegens noch nicht sehr geübten Gruppenmitgliedern unverwendbar.
Da auf dem Fluggelände in Thal nur kleinere Flüge von 200-300 m Länge durchgeführt werden konnten, erwogen die Mitglieder die Segelflugzeuge zu motorisieren, um wenigsten die Flugstrecke verlängern zu können.
Um die Schulung voranzutreiben wurden im Jahre 1929 zwei Schulflugzeuge der bewährten Type Zögling in Bau genommen, die beiden vorhandenen Leistungsmaschinen „Vandale“ und „Sturmvogel“ waren nur Paradestücke.
Dipl.-Ing. Konrad Pernthaler schied 1929 aus der Akaflieg aus und cand. ing Walter Mühlbacher wurde der neue Obmann der Akaflieg Graz.
Ebenso wurde im Jahre 1929 die „Graz“ mit dem Verzicht auf den Spaltflügeleffekt zu einer Schulmaschine umgebaut.

GrazDas Flugzeug hatte nun einen leicht umgestalteten Rumpf von 6,00 m Länge mit offenem Cockpit, hinter dem ein Spannturm erhöht die geteilte Tragfläche von 12,00 m Spannweite verspannt trug. Unter dem Sitz zog sich von der Spitze des Apparates eine Landekufe hin, das Seitenruder wurde etwa um 50% verkleinert. Das Gesamtgewicht der Maschine betrug 90 kg.
Der Erstflug des umgebauten Gleiters erfolgte im Juni/Juli 1929.
Nach der Fertigstellung konnten zahlreiche gelungene Flüge durch die Mitglieder der Akaflieg Graz durchgeführt werden.
Mit ihr und einem „Zögling“ der Gruppe wurden anschließend in der näheren Umgebung von Graz, bei Thal, zahlreiche Schulungsflüge unternommen.

Graz2-3s
Graz-3s Dreiseitenriß von Dipl.-Ing. R. Keimel, Technisches Museum Wien

 

  • Spannweite     12 m
  • Länge     6 m
  • Flügelfläche     ? m2
  • Gewicht     90 kg
  • Flächenbelastung     ? kg/m2

Text: Dipl.-Ing. Reinhard Keimel, Technisches Museum Wien
Literaturhinweise: Flug-Zeitschrift 1929, Heft 6, S.11 und Heft 8, S. 2.
Zoffmann H. und Lanz H., Die Geschichte der Akaflieg Graz, zum 50-jährigen Bestehen am 14. Oktober 1971, 1921-1937 und 1938-1945, in: Mitteilungen des Verbandes der akademischen Fliegergruppen Österreichs (Veraflieg) Heft 3, Graz 1971. Archiv Dipl.-Ing. A. Oswald und Archiv Akaflieg Graz.

Hanns HaringHaring
Ein Segelflieger als Hilfssteward auf Ozeanflug mit LZ 127 im Jahre 1928

Als einziger der ASG hat Hanns Haring die Möglichkeit gehabt, mit einem
Luftschiff, dem LZ 127 „Graf Zeppelin“ über den Ozean nach Amerika zu
fliegen.
Haring war am Bau vieler Segelflugzeuge beteiligt, Konstrukteur des
Spaltflügel-Segelflugzeuges „Graz“, war Praktikant bei der Zeppelin GmbH,
und wurde als Hilfskoch nach USA mitgenommen.