Pagat

1926

Die „Pagat“ war ein Universal-Schulapparat mit Gitterrumpf aus Aluminium, der hinter dem Sitz verkleidet war. Das Material war ein Geschenk der Luftschiffwerke aus Friedrichshafen.
Baubeginn war im Winter 1925/26. Da die Schulapparate nicht mehr flugfähig waren, mußte der Gleiter bis zum Frühjahr fertiggestellt sein, damit die Gruppe mit dem Flugbetrieb beginnen konnte. An der Wand der Werkstätte stand deshalb in großen Buchstaben: „Pagat raschestens fertig machen – später kein Flugbetrieb möglich.“ Dadurch arbeitete man von 7 Uhr früh bis 11 Uhr nachts oder noch länger.

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Pagat und die ASG am Gelände Thal

Das Flugzeug war als Ein- oder Doppeldecker zu fliegen, die untere Tragfläche abnehmbar, zum oberen Flügel hin mit einer V-Strebe außen abgestützt. Die obere Tragfläche mit den Querrudern war durch Seile mit dem Rumpf verspannt. Beide Fiächen waren zweiholmig, im Verbundsystem hergestellt und bespannt. Die Spannweite betrug oben 11 Meter, unten 7 Meter, als Doppeldecker wog die Maschine 70 kg, für die damalige Zeit ein gewaltiger Baufortschritt. Zahlreiche Teile hatten sich die Mitglieder der Akaflieg Graz aus Aluminium selbst gegossen und angefertigt. „Eine Führungsrolle mit einem Durchmesser von 60 mm wiegt 14 Gramm, während die früher verwendeten Messingrollen von halb so großem Durchmesser 45 Gramm schwer waren. Die Gußschablonen wurden aus Kesselblech hergestellt. Die ganze Rollengarnitur hat nur mehr ein Gewicht von 130 Gramm. Sie sieht dazu so tadellos aus, daß man meinen könnte, eine Spezialfabrik hätte sie geliefert“, berichtete damals eine Grazer Tageszeitung.
Die Abfederung gegen den Boden übernahmen eine mit Gummirollen abgestützte Kufe und ein Schwanzsporn.
Ferner war beabsichtigt einen Hilfsmotor (Dreizylinder-Rotationsmotor mit 1800-2000 U/min) mit ca. 6 PS Leistung und einer Luftschraube mit 1,10 m Durchmesser einzubauen, damit sollte sich der Apparat länger in der Luft halten. An einen Bodenstart war dabei nicht gedacht. Die Fluggeschwindigkeit sollte nach Berechnungen im Flug 45 km/h und bei der Landung 36 km/h betragen. Der Gleitwinkei betrug 1:12.
Die Fertigstellung war für den 14. April 1926 im Schöckelgebiet geplant.

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Pagat im Rohbau

Etwa Ende April 1926 wurden dann mit der „Pagat“ die ersten Schulflüge auf den Hängen bei Thal durchgeführt, wobei es natürlich wieder tüchtig Kleinholz gab. Die Kunst der Reparatur besaß cand. ing. Kronschacher, der fast im Dauerbetrieb arbeitete.
Gleichzeitig wurde bei Thal auch mit der „Sturmvogel“ der Gruppe und mit dem Doppeldecker „Benjamin“ geflogen, auf diesem Gelände waren jedoch nur mäßige Hupfer zwischen 200 und 300 Meter Weite möglich.
Trotzdem wurden in der Flugsaison 1926 mit diesem Doppeldecker über 90 Flüge ausgeführt, wobei der Apparat insgesamt fünf neue Flügelpaare erhalten hatte.
Davon entfielen etwa 40 Flüge auf cand. ing. Kronschacher, je 10 auf Eduard Spies, Konrad Pernthaler und cand. techn. Hollan, die restlichen Flüge unternahmen die übrigen Mitglieder der ASG.

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Pagat beim Start in Thal

„Das Tagesprogramm der akademischen Segelflieger sieht auch noch Vortragsabende mit Lichtbildern über die Theorie des Flugzeugbaues vor. Und wenn dann Oswald, der ‚Wissenschaftler‘, seine Ausführungen beendet hat, dann tritt die Gruppe wieder bei ihren Arbeiten an: Schöpflin, der Werkstättenleiter, bei seiner Leitspindeldrehbank, lng. Dolleczek beim Schmiedefeuer (mit einem verkehrt geschalteten Staubsauger als Gebläsemaschine), Kronschacher tritt an den Säge- und Frästisch, die Brüder Neugebauer schleifen um die Wette, und alle anderen leimen, feilen, nageln, zeichnen und rechnen. Dann surrt, hämmert, klopft und zischt es von neuem in den kleinen Kellerräumen. Und in dieser Arbeitssymphonie singen dann die Motoren ihr hohes Lied.“

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Dreiseitenriß von Dipl.-Ing. R. Keimel, Technisches Museum Wien
  • Spannweite     11 m
  • Länge     4.6 m
  • Flügelfläche     22.5 m2
  • Gewicht     70 kg
  • Flächenbelastung     6.5 kg/m2

Text: Dipl.-Ing. Reinhard Keimel, Technisches Museum Wien
Literaturhinweise: Unsere Segelflieger, Winterarbeit-Frühlingspläne, in: Grazer Tagespost vom 2.4.1926. Zoffmann H. und Lanz H., Die Geschichte der Akaflieg Graz, zum 50-jährigen Bestehen am 14. Oktober 1971, 1921-1937 und 1938-1945, in: Mitteilungen das Verbandes der akademischen Fliegergruppen Österreichs (Veraflieg) Heft 3, Graz 1971. Archiv Dipl.-Ing. A. Oswald und Archiv Akaflieg Graz.